IM EINSATZ

Letzte Änderung dieser Seite: 15.11.2004

Beim Elbehochwasser 2004

Wohl jeder hat noch die Bilder von der Hochwasserkastastrophe an der Elbe und ihren Nebenflüssen im August 2002 vor Auge. Nicht mehr haltbare Wassermassen zerstörten dort vieles, was in der Vergangenheit aufgebaut worden war. Gerade die Bilder von Helfern, egal ob von Feuerwehr, THW, Bundeswehr oder von anderen Organisationen, die an den Dämmen arbeiteten, um sie mit Sandsäcken zu verstärken, gingen durch alle Medien.

Auch ich war im Einsatz, in Magdeburg - allerdings nicht direkt am Damm, wohl aber mit einer ebenso wichtigen Aufgabe betraut, auch wenn diese auf den ersten Blick weniger medienwirksam erscheint.

Bekanntlich bin ich beim Deutschen Roten Kreuz im Ortsverein Kandel, Kreisverband Germersheim, aktiv. Dieser Kreisverband stellt einen beträchtlichen Teil der vom Landesverband Rheinland-Pfalz zu verantwortenden Hilfszugabteilung III (HZA III). Der sog.
Hilfszug ist eine überregionale Einrichtung des Katastrophenschutz, welche direkt dem DRK-Generalsekretariat in Bonn bzw. Berlin untersteht. Die 8 HZA, welche auf verschiedene Landesverbände verteilt sind, sind technisch, organisatorisch und personell in der Lage, für min. 1.000 Betroffene Notunterkünfte zu errichten und zu betreiben, die Menschen mit Bedarfsgüter zu versorgen sowie die medizinische Versorgung sicherzustellen. Bisher kamen komplette HZA erst einmal in der Geschichte der Bundesrepubkik zum Einsatz: bei der Flutkatastrophe in Hamburg 1963.

Doch die Hochwasserkatastrophe an der Elbe und ihren Nebenflüssen machte den Einsatz des Hilfszuges erforderlich. Am Freitag, 16.08.2002, erfolgte die Alarmierung der HZA 3. Bereits um 15.00 waren wir abmarschbereit und erhielten unsere Aufträge. Wir sollten uns am folgenden Tag um 14.00 in unserem Bereitstellungsraum, der Autobahnraststätte Börde-Süd, kurr vor Magdeburg, einfinden, um danach in Magdeburg Notunterkünfte für die drohende Evakuierung von rund 20.000 Einwohnern der ostelbischen Stadtteile Magdeburgs zu errichten.

Also fuhren wir am kommenden Morgen um 03.00 mit 7 Mannschaftswagen, 1 Führungsfahrzeug und 1 LKW sowie mit 4 Anhängern gen Magdeburg. Dabei waren rund 50 Helfer aus dem Kreisverband Germersheim. An der Raststätte Börde trafen wir mit dem restlichen Personal der HZA III, welche auch 80 Tonnen Material mit sich führen zusammen. Insgesamt rund 100 Helfer aus Rheinland-Pfalz mit ca. 35 Fahrzeugen sammelten sich dort.

In Magdeburg selbst wurden durch die HZA III in 4 Schulen sowie einer Sportanlage 2.000 Schlafplätze sowie ein Verpflegungszentrum, welches bis zu 3.500 Mahlzeiten täglich liefern konnte, errichtet. Ich selbst war mit einer aus 7 Einsatzkräften bestehenden Betreuungsgruppe im
Norbertus-Gymnasium im Einsatz, wo wir für rund eine Woche eine Unterkunft für 750 Einsatzkräfte betrieben.

Diese Woche war hart - wenig Schlaf, viel Arbeit. Aber es tat dennoch gut, helfen zu können. Besonders hervorheben möchte ich hier die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, vor allem der Lehrer und Schüler des Norbertus-Gymnasiums und insbesondere des Hausmeisters. Wo sie uns unterstützen konnten, taten sie es.

Und ich glaube, dies ist auch der positive Aspekt, den man auch einer solchen Katastrophe abgewinnen kann. Sicher, die Flut spülte vieles weg, vernichtete Existenzen - aber sie spülte auch eine ganz besondere Art von Dämmen weg: die Dämme in den Köpfen der Menschen, denn auf einmal gab es keine Ossis und keine Wessis mehr - man kämpfte zusammen gegen den scheinbar übermächtigen Feind, das Wasser. Und das schweißte zusammen. Hoffen wir, daß dieses Wir-Gefühl auch zukünftig erhalten bleibt.
 

Im Bereitstellungsraum: Warten auf das restliche Personal und Material
 

Ein Teil der 35 Fahrzeuge der HZA III im Beretistellungsraum an der BAB-Raststätte Börde-Süde
 

Ehe ich zum Ende meines Berichts komme, möchte ich noch eine e-Mail, die ich vom Hausmeister des Norbertus-Gymnasiums erhalten habe, zitieren. Ich denke, er trifft den Nagel auf den Kopf:

Hallo Alexander

Danke für deine Mail,wir haben uns sehr gefreut über deine lobenden Worte.In der Regionalpresse ist das DRK Rheinland-Pfalz in einem längeren Bericht lobend erwähnt worden.

Die Schülerinnen und Schüler,aber auch die anderen Menschen In Magdeburg und Umgebung,müssen sich  bei euch bedanken für eure Hilfe.Es ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit,z.B. Urlaub zu nehmen um anderen zu helfen.

Gott sei es gedankt das nichts passiert ist!

Ich glaube das es trotzdem für alle Beteiligten eine wichtige Erfahrung war,zu wissen das alle Menschen in West und Ost zusammenhalten auch wenn wir unterschiedliche Entwicklungen hinter uns haben.
Für mich ist das ein Zeichen das die Mauer in den Köpfen doch nicht so gross ist wie immer behauptet wird.

Danke für deine Hilfe

S.H.


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